Wie viele blaue Gegenstände hast du heute bereits gesehen?

Wahrscheinlich lässt sich die Frage nicht beantworten, obwohl du an ihnen vorbeigegangen bist. Wer jedoch beschliesst, heute bewusst auf Blau zu achten, entdeckt plötzlich Türen, Jacken, Verpackungen oder kleine Details, die zuvor keine Rolle gespielt haben.

Die Umgebung muss sich dafür nicht verändern. Eine andere Suchaufgabe verändert, worauf wir achten.

Aufmerksamkeit braucht eine Richtung

Im Alltag treffen viele Eindrücke gleichzeitig auf uns. Wir können nicht jedem die gleiche Bedeutung geben. Deshalb wählen wir aus – oft ohne es ausdrücklich zu bemerken.

Eine einfache Aufgabe wie «Achte heute auf eine bestimmte Farbe» macht diese Auswahl sichtbar. Der Blick bekommt ein Ziel. Was dazu passt, fällt eher auf. Das ist zunächst eine Beobachtung über den eigenen Fokus, keine Aussage darüber, dass sich das Gedächtnis dauerhaft verbessert.

Interessant ist auch die Gegenfrage: Was fällt weniger auf, während die Aufmerksamkeit auf diese eine Farbe gerichtet ist?

Eine kleine Übung ohne grossen Aufwand

Wer die eigene Wahrnehmung beobachten will, braucht dafür keine App und keine lange Routine. Eine Farbe auswählen, tagsüber darauf achten und am Abend überlegen, welche Gegenstände noch in Erinnerung sind – mehr ist für den Versuch nicht nötig.

Die Zahl der entdeckten Dinge ist dabei kein Leistungstest. Unterschiedliche Wege, Räume und Tagesabläufe liefern unterschiedliche Eindrücke. Der Wert der Aufgabe liegt darin, den Wechsel zwischen automatischem und bewusstem Hinsehen zu bemerken.

Petra Oggenfuss macht daraus eine Farbensuche

Die Gedächtnistrainerin Petra Oggenfuss schlägt in einem LinkedIn-Post ein «Montags Gedächtnistraining» vor: Man wählt eine Farbe und hält den ganzen Tag nach Dingen in dieser Farbe Ausschau. Als zusätzliche Herausforderung fragt sie, wie viele davon man am Abend noch aus dem Kopf aufzählen kann.