Wer in der Schweiz eine Familie plant, beschäftigt sich mit Namen, Kinderzimmern oder der Frage, wo das Kind einmal zur Welt kommen soll.

An die Krankenkasse denken viele erst später.

Dabei kann genau das ein Fehler sein.

In einem Gespräch mit dem Versicherungsexperte Christian Jetzer wurde deutlich: Wer bestimmte Zusatzleistungen rund um Schwangerschaft und Geburt möchte, sollte seinen Versicherungsschutz nicht erst prüfen, wenn der Schwangerschaftstest positiv ist.

Denn bei gewissen Zusatzversicherungen gelten Karenzfristen – und dann kann es für einen Neuabschluss oder eine gewünschte Leistung bereits zu spät sein.

Warum man die Versicherung vor der Schwangerschaft prüfen sollte

Die medizinische Grundversorgung rund um Schwangerschaft und Geburt wird zu einem wesentlichen Teil über die obligatorische Grundversicherung geregelt.

Die entscheidenden Unterschiede entstehen häufig dort, wo persönliche Wünsche hinzukommen:

  • Möchte ich in einem bestimmten Geburtshaus gebären?
  • Ist mir ein Einzel- oder Zweibettzimmer wichtig?
  • Soll mein Partner bei mir übernachten können?
  • Möchte ich freie Spitalwahl?
  • Welche Massagen, alternativen Behandlungen oder Präventionsleistungen sind versichert?
  • Werden Rückbildungsangebote übernommen?
  • Welche Therapeuten und Einrichtungen werden von meiner Versicherung anerkannt?

Genau hier kommen Zusatz- und Spitalzusatzversicherungen ins Spiel.

Christian Jetzer bringt im Gespräch einen entscheidenden Punkt auf: Bei gewissen Spitalzusatzversicherungen bestehen Karenzfristen rund um Mutterschaftsleistungen. Je nach Produkt können diese beispielsweise zwölf Monate betragen.

Das bedeutet: Nicht erst bei bestehender Schwangerschaft prüfen, sondern bereits bei der Familienplanung.

Grundversicherung und Zusatzversicherung sind zwei unterschiedliche Themen

Ein häufiger Denkfehler ist, dass eine teurere Zusatzversicherung automatisch eine „bessere Geburt“ bezahlt.

So einfach ist es nicht.

Die medizinischen Leistungen der Geburt werden grundsätzlich über die obligatorische Krankenpflegeversicherung geregelt. Zusatzversicherungen können dagegen insbesondere zusätzliche Komfort- und Wahlleistungen betreffen.

Christian Jetzer nennt im Gespräch beispielsweise Einzelzimmer, bessere Zimmerkategorien, zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten für den Partner oder – abhängig vom Versicherungsmodell – eine erweiterte Arzt- und Spitalwahl.

Deshalb sollte die Frage nicht lauten:

„Welche Krankenkasse ist für Schwangerschaften am besten?“

Sondern:

„Welche Leistungen sind uns persönlich während Schwangerschaft und Geburt wichtig – und wie sind genau diese Leistungen versichert?“

Geburtshaus: vorher abklären statt später überrascht werden

Besonders spannend wird es, wenn eine Geburt nicht im klassischen Spital stattfinden soll.

Wer beispielsweise ein bestimmtes Geburtshaus bevorzugt, sollte vorab konkret mit seiner Krankenversicherung klären, welche Leistungen dort übernommen werden.

Denn entscheidend können unter anderem der Wohnkanton, die konkrete Einrichtung, die Art der Behandlung sowie bestehende Tarif- und Anerkennungsvereinbarungen sein.

Christians Empfehlung ist deshalb pragmatisch: Nicht aufgrund allgemeiner Versicherungsversprechen davon ausgehen, dass alles gedeckt ist.

Stattdessen sollte man der Versicherung das konkrete Geburtshaus nennen und sich bestätigen lassen, welche Kosten übernommen werden.

Bei stationären Leistungen kann zudem eine Kostengutsprache vor der Geburt Klarheit darüber schaffen, welche Kosten die Versicherung übernimmt und welcher Anteil allenfalls selbst getragen werden muss.

Zusatzversicherung ist nicht automatisch günstiger, nur weil sie mehr bezahlt

Ein weiterer wichtiger Punkt aus unserem Gespräch war die Wirtschaftlichkeit.

Eine Zusatzversicherung kann beispielsweise Beiträge an Fitness, Kontaktlinsen, Massagen, alternative Medizin, Präventionsleistungen oder Gesundheitschecks enthalten.

Doch nur weil eine Versicherung theoretisch viel übernimmt, bedeutet das noch lange nicht, dass sie sich für jede Person finanziell lohnt.

Christian Jetzer empfiehlt deshalb, nicht ausschliesslich auf die Schwangerschaft zu schauen.

Wer beispielsweise sowieso regelmässig Massagen nutzt, Kontaktlinsen trägt, Fitnessangebote besucht oder alternative Behandlungen in Anspruch nimmt, kann von einer umfangreicheren Zusatzversicherung stärker profitieren als jemand, der praktisch keine dieser Leistungen nutzt.

Die richtige Rechnung lautet deshalb nicht:

„Wie viel bekomme ich bei einer Schwangerschaft zurück?“

Sondern:

„Wie hoch sind meine zusätzlichen Prämien über mehrere Jahre – und welche Leistungen werde ich realistisch tatsächlich nutzen?“

Massagen und alternative Behandlungen: Anerkennung vorher prüfen

Gerade während oder nach einer Schwangerschaft können Massagen, alternative Behandlungsmethoden oder Angebote zur körperlichen Regeneration interessant werden.

Doch auch hier gibt es einen Punkt, den Christian Jetzer besonders betont:

Nicht jeder Therapeut und nicht jedes Studio wird automatisch von jeder Zusatzversicherung anerkannt.

Wer eine Behandlung plant, sollte deshalb vor dem Termin prüfen, ob sowohl die Behandlungsmethode als auch die behandelnde Person oder Institution vom jeweiligen Versicherer anerkannt werden.

Sonst kann es passieren, dass eine grundsätzlich versicherte Leistung trotzdem nicht vergütet wird.

Die teuerste Versicherung ist nicht automatisch die richtige

Im Gespräch zeigte sich noch etwas anderes.

Ein Versicherungswechsel ist nicht automatisch sinnvoll, nur weil eine andere Krankenkasse auf dem Papier einzelne attraktivere Leistungen bietet.

Christian Jetzer riet in unserem konkreten Fall sogar davon ab, vorschnell zu wechseln.

Seine Logik dahinter:

Wenn die bestehende Zusatzversicherung bereits viele relevante Leistungen abdeckt, sollte zuerst geklärt werden, welche konkrete Lücke überhaupt besteht.

Erst danach lässt sich beurteilen, ob ein Upgrade, eine zusätzliche Spitalversicherung oder tatsächlich ein Wechsel sinnvoll ist.

Das ist ein wesentlich nüchternerer Ansatz als der klassische Versicherungsvergleich nach dem Motto: mehr Leistungen = bessere Versicherung.

Die 6 Fragen, die Paare vor einer Schwangerschaft klären sollten

Wer in den nächsten Monaten oder Jahren eine Schwangerschaft plant, kann seinen Versicherungsschutz mit sechs Fragen relativ schnell überprüfen:

1. Welche Leistungen rund um Schwangerschaft und Geburt übernimmt meine Grundversicherung? 2. Welche zusätzlichen Leistungen übernimmt meine bestehende Zusatzversicherung? 3. Bestehen für gewünschte Mutterschafts- oder Spitalleistungen Karenzfristen? 4. Möchte ich im Spital, Geburtshaus oder möglicherweise zuhause gebären? 5. Ist meine gewünschte Einrichtung von meiner Versicherung anerkannt und wie sieht die konkrete Kostendeckung aus? 6. Welche Zusatzleistungen wie Massagen, Rückbildung, Prävention oder alternative Medizin möchte ich tatsächlich nutzen?

Wer diese Fragen beantwortet hat, weiss wesentlich genauer, ob überhaupt Handlungsbedarf besteht.

Christian Jetzer: Erst verstehen, dann Versicherung verändern

Was mir an meinem Gespräch mit Christian Jetzer besonders gefallen hat, war deshalb nicht die Empfehlung einer bestimmten Versicherung.

Sondern das Gegenteil.

Statt möglichst schnell ein neues Produkt zu verkaufen, war seine Empfehlung zunächst, die bestehende Deckung und die konkreten Wünsche zu prüfen.

Das ist aus meiner Sicht genau der richtige Ansatz bei Versicherungen.

Denn gerade bei einem emotionalen Thema wie Schwangerschaft ist die Versuchung gross, möglichst viel abzusichern. Entscheidend ist jedoch nicht, möglichst viele Versicherungen abzuschliessen.

Entscheidend ist, vorher zu wissen, was einem wichtig ist und ob genau diese Leistungen tatsächlich gedeckt sind.

Und genau deshalb sollte das Gespräch mit der Versicherung oder einem Versicherungsberater nicht erst beginnen, wenn die Schwangerschaft bereits da ist.

Sondern idealerweise bereits dann, wenn die Familienplanung konkreter wird.

---

Hinweis: Versicherungsleistungen unterscheiden sich je nach Krankenkasse, Zusatzversicherung, Versicherungsbedingungen, Kanton, Leistungserbringer und persönlicher Situation. Der Artikel gibt zentrale Punkte aus meinem Gespräch mit Christian Jetzer wieder und ersetzt keine individuelle Prüfung der Versicherungsbedingungen oder Kostengutsprache.