Wir tracken mehr als je zuvor.

Unternehmen messen Klicks, Leads, Conversion Rates und Umsätze. Menschen zählen Schritte, analysieren ihren Schlaf, beobachten ihre Herzfrequenz und dokumentieren ihre Produktivität.

Die Logik dahinter klingt überzeugend:

Was ich messen kann, kann ich verbessern.

Doch dabei fehlt ein entscheidender Teil.

Denn nur weil etwas gemessen wird, verändert es sich noch lange nicht.

Tracking kann uns das Gefühl von Fortschritt geben

Ein Dashboard öffnen. Zahlen analysieren. Eine neue Software implementieren. Einen weiteren KPI hinzufügen.

All das fühlt sich produktiv an.

Das Problem beginnt dort, wo die Analyse selbst zur Tätigkeit wird.

Ein Unternehmen kann jeden Monat exakt messen, dass zu wenige Websitebesucher zu Kunden werden. Wenn anschliessend nichts an Angebot, Kommunikation oder Verkaufsprozess verändert wird, ist die Conversion Rate einen Monat später lediglich eine weitere Zahl.

Tracking hat dann keinen Fortschritt geschaffen.

Es hat nur präziser dokumentiert, dass kein Fortschritt stattfindet.

Die wichtigste Frage kommt nach der Messung

Deshalb sollte auf jede relevante Kennzahl eine zweite Frage folgen:

Was verändern wir aufgrund dieser Information?

Zeigt eine Kampagne schlechte Ergebnisse, muss daraus eine Entscheidung entstehen.

Zeigt eine Auswertung, dass Kunden an einer bestimmten Stelle abspringen, muss dieser Punkt untersucht werden.

Zeigt ein KPI seit Monaten dieselbe Schwachstelle, ohne dass etwas verändert wird, liegt das Problem irgendwann nicht mehr an fehlenden Daten.

Sondern an fehlender Umsetzung.

Genau dasselbe Prinzip lässt sich auch ausserhalb des Unternehmens beobachten.

Lisa Krage zeigt das Problem am Beispiel Gesundheit

Einen interessanten Blick darauf lieferte kürzlich Lisa Krage, Gründerin von Swiss Business Athlete™ und Expertin für Performance-Diagnostik und Coaching für Unternehmer.

In einem LinkedIn-Beitrag beschreibt sie ein Gespräch mit einer Person, die sehr umfangreich Gesundheitsdaten sammelt: DEXA, DNA, Mikrobiom, Apple Watch und Oura Ring.

Daten waren also genügend vorhanden.

Krages entscheidende Frage lautete sinngemäss: Was hast du aufgrund dieser Daten tatsächlich verändert?

Die Antwort: Die Person trinke nun drei statt fünf Bier.

Gleichzeitig seien Schlaf, Bauch und Verdauung weiterhin Themen.

Lisa Krage LinkedIn Post
LinkedIn/ Lisa Krage

Krage vergleicht das Messen ohne Konsequenz mit einem gesperrten Konto:

„Messen ohne Konsequenz ist wie ein gesperrtes Konto: Du weisst immer genau, wo du stehst. Aber du kommst nirgendwo hin.“

Ihr Beispiel aus dem Gesundheitsbereich macht ein Problem sichtbar, das weit darüber hinausgeht.

Die unsexy Lösung ist häufig die wirksamere

Neue Tools und detaillierte Analysen haben einen psychologischen Vorteil: Sie fühlen sich nach Optimierung an.

Die daraus resultierende Veränderung ist häufig deutlich unspektakulärer.

Beim Thema Gesundheit können das laut Krages Beispiel Dinge wie früher schlafen, regelmässiges Krafttraining oder eine bessere Ernährung sein.

Im Unternehmen sieht es ähnlich aus.

Vielleicht braucht es keine weitere Analytics-Software, sondern bessere Verkaufsgespräche.

Kein neues CRM, sondern konsequentere Follow-ups.

Keine 20 zusätzlichen Kennzahlen, sondern eine klare Entscheidung aufgrund der drei wichtigsten.

Daten können zeigen, wo das Problem liegt.

Sie lösen es aber nicht.

Aus Daten müssen Entscheidungen werden

Eine einfache Regel kann deshalb helfen:

Jede wichtige Messung sollte entweder eine Entscheidung bestätigen oder eine Veränderung auslösen können.

Wenn wir eine Kennzahl seit Monaten beobachten, ohne jemals aufgrund dieser Zahl etwas anders zu machen, lohnt sich die Frage, warum wir sie überhaupt messen.

Das gilt für Marketing genauso wie für Finanzen, Produktivität oder Gesundheit.

Tracking ist kein Ergebnis.

Tracking ist ein Werkzeug, um bessere Entscheidungen zu treffen.

Und manchmal ist die wichtigste Erkenntnis nicht, dass wir noch mehr Daten brauchen.

Sondern dass wir längst genug wissen – und endlich etwas verändern müssen.